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Kommission "Ökonomisierung der Wohnungs- und
Immobilienwirtschaft"
In den letzten Jahren hat die Zahl der Transaktionen auf dem
deutschen Wohnungs- und Immobilienmarkt stark zugenommen. Dies
gilt, wie der Erwerb größerer Wohnungsbestände in den
zurückliegenden Jahren in der Bundesrepublik Deutschland zeigt,
auch für die klassische kommunale Wohnungswirtschaft. So haben
in den vergangenen zwei Jahren ausländische
Beteiligungsgesellschaften annähernd 20 Milliarden Euro in eine
halbe Million deutsche Wohnungen investiert. Insbesondere
Gesellschaften aus England oder den USA, die internationale
Anlagemöglichkeiten mit hohen Renditen bei überschaubarem Risiko
suchen, haben begonnen, den deutschen Wohnungsmarkt für sich zu
entdecken. Sie streben eine Gewinnmaximierung an, die sie durch
eine Optimierung des Managements, den Verkauf von
Einzelwohnungen an Mieter und Kapitalanleger oder durch
Blockverkäufe an andere Investoren erzielen wollen. Den Anreiz
zur Investition bieten ihnen u. a. niedrige Aktien- und
Anleihenrenditen, niedrige Fremdkapitalzinsen, eine niedrige
Eigentumsquote in Deutschland, günstige Kauf- und Mietpreise
sowie das Fehlen deutscher Wettbewerber. Das Angebot an zu
veräußernden Immobilien in der Bundesrepublik Deutschland ist
nach wie vor groß. Immer mehr Industrieunternehmen verkaufen
ihre Werkwohnungsbestände, um Liquidität zu erhalten oder
Bilanzkennziffern zu verbessern und öffentliche Institutionen
planen zunehmend, sich von ihren Immobilienbeständen zu trennen,
um öffentliche Haushaltskassen zu füllen.
In der Konsequenz avancieren Immobilien von einem Sozial- zu
einem Handelsgut (1) .
Das Immobilienvermögen wird zu einer
Vermögenskategorie, die mit anderen Anlageformen konkurriert
(2) . Privatisierungskritiker
befürchten, dass der Staat und die Kommunen durch den
zunehmenden Verkauf ihrer Wohnungsbestände ein wichtiges
sozialpolitisches Instrument verlieren könnten und somit die
Gefahr bestünde, dass die Wohnraumversorgung der breiten
Schichten der Bevölkerung sowie Herausforderungen im Rahmen des
Stadtumbaus und der sozialen Stadtentwicklung nicht mehr
bewältigt werden könnten. Angesichts dieser Entwicklung stellt
sich für die im Auftrage des Bundesministeriums für Verkehr, Bau
und Stadtentwicklung vom Deutschen Verband eingesetzte
Kommission "Ökonomisierung der Wohnungs- und
Immobilienwirtschaft" die Frage, welche Auswirkung u. a. die
Einführung von REITs auf den Wohnungs- und Immobilienmarkt sowie
auf die Wohnungspolitik haben würde und welche Rolle der Staat
in Zukunft bei der Wohnraumversorgung spielen sollte.
Hierbei baut die Kommission auf dem
Koalitionsvertrag auf, in dem die Bundesregierung "die
Internationalisierung der Wohnungswirtschaft hinsichtlich der …
sozialen, städtebaulichen und bauwirtschaftlichen Auswirkungen …
analysieren [will]" (3). Im
Einzelnen werden folgende Themen bearbeitet:
- Ist die zunehmende Privatisierung der Wohnungsbestände
unumgänglich, bieten sich Alternativen?
- Welche Auswirkungen hat eine weitergehende Privatisierung
der Wohnungsbestände auf den Wohnungsmarkt?
- Welche Auswirkungen hat die Einführung von Real Estate
Investment Trusts auf den Wohnungsmarkt und die
Stadtentwicklung?
- Welche Rolle haben Staat und Unternehmen in der
Wohnungswirtschaft zukünftig?
- Welche politischen Handlungsempfehlungen sind zu ziehen?
Ende 2007 wird der Bericht mit den Handlungsempfehlungen
vorgelegt. Die Empfehlungen werden sich darauf beziehen, wie die
Kooperation von Staat und Wohnungsunternehmen zukünftig aussehen
könnte, damit eine qualitative wie quantitative
Wohnungsversorgung und eine wirtschaftlich und sozial
ausgewogene Stadtentwicklung auch vor dem Hintergrund der
demographischen Entwicklung gewährleistet werden kann. Hierbei
wird zum einen nach den Anforderungen an den Staat aus Sicht der
Unternehmen gefragt. Zum anderen werden aus Sicht von Bund,
Ländern und Kommunen die Leistungen definiert, die Unternehmen
erbringen sollten, um ein verlässlicher Partner in der Stadt-
und Wohnungsmarktentwicklung zu sein.
Kennziffern zur Wohnungswirtschaft:
Bodenfläche
Deutschland hat eine Gesamtfläche von 357.050 km². Davon entfallen
nach der aktuellen Flächenerhebung des Statistischen Bundesamtes
(2004) 12,8 Prozent auf Siedlungs- und Verkehrsflächen, die sich aus
bebauten und unbebauten Flächen zusammensetzen.

Bodennutzung 2004 in Deutschland (Quelle: Statistisches
Bundesamt, Wirtschaft und Statistik, Heft 3, 2006) |
Wohnungen
Der Wohnungsbestand in Deutschland ist von 32,9 Mio. Wohnungen 1986
(Zeitpunkt vor Wiedervereinigung und Zuwanderungswelle) um 6,2 Mio.
oder 19,6 Prozent auf 39.362.909 Wohnungen in 2004 gewachsen. Dies
entspricht einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 379.769
Wohnungen oder 1,2 Prozent, bezogen auf den Bestand von 1986.
Bezogen auf die Einwohnerzahl ist der Wohnungsbestand im
betrachteten Zeitraum etwas langsamer gewachsen, worin sich die
relativ stärker gestiegene Bevölkerungszahl widerspiegelt.
Angesichts der demographischen Situation wird die Betrachtung des
Wohnungsbestandes bezogen auf die Einwohnerzahl in Zukunft eine
stärkere Rolle spielen.

Wohnungsbestand je 1.000 Einwohner (Quelle: Statistisches
Bundesamt: Fachserie 5, Reihe 3, 2005)
Die Fertigstellungszahlen lagen im temporären Höhepunkt Mitte der
1990er Jahre bei knapp 600.000 Wohnungen pro Jahr. Inzwischen sind
sie mit knapp 230.000 Wohnungen im Jahre 2005 auf den niedrigsten
seit 1949 abgesunken. Das Volumen des bestandserhaltenden
Wohnungsneubaus liegt nach Ansicht der Experten zwischen 250.000 und
300.000 Einheiten jährlich.

Wohnungsfertigstellungen in Deutschland (Quelle: Statistisches
Bundesamt: Baugenehmigungen/Baufertigstellungen. Lange Reihen. 2006) |

Aufteilung des Wohnungsbestands 2004 (Quelle: Statistisches
Bundesamt: Fachserie 5, Reihe 3, 2005) |
Sozialer Wohnungsbau
Nach einer Schätzung des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und
Stadtentwicklung aus dem Jahr 2004 lag der Bestand an
Sozialwohnungen Ende 2002 bei 2,47 Mio. Wohnungen (6,3 % des
Gesamtbestandes). Davon werden im Zeitraum 2003 - 2010 1,03 Mio.
Wohnungen oder 42 % aus der Sozialbindung ausscheiden. Im sozialen
Wohnungsbau ist ein Rückgang der Anzahl der geförderten Wohnungen
sowie der aus öffentlichen Haushalten bereitgestellten Mittel zu
beobachten: In 2004 wurden insgesamt 36.799 Wohnungen mit
öffentlichen Mitteln gefördert. Sie lösten Gesamtkosten von 5,27
Mrd. Euro aus. Von den geförderten Wohnungen waren rd. 68 %
Neubauten. Damit erhielten knapp 9 % der insgesamt in dem Jahr
fertig gestellten Neubauwohnungen Mittel aus dem sozialen
Wohnungsbau. Aus den öffentlichen Haushalten wurden dafür 1,48 Mrd.
Euro zur Verfügung gestellt. Weitere 309 Mio. Euro wurden für
Modernisierung, Erwerb von Belegungsrechten sowie den Kauf von
Bestandswohnungen bereitgestellt.

Förderung im sozialen Wohnungsbau (Quelle: Statistisches
Bundesamt: Bundesstatistik zu Bewilligung im sozialen Wohnungsbau
1999-2001; Förderungen im sozialen Wohnungsbau 2001-2004) |
Eigentümerstruktur
Nach der aktuellen Mikrozensus-Zusatzerhebung des Statistischen
Bundesamtes von 2002 zur Wohnsituation in Deutschland wurden 42,6
Prozent der bewohnten Wohnungen von ihren Eigentümer bewohnt, 57,4
Prozent demnach von Mietern. Differenziert nach Region, Wohnungsart
und Haushaltstypen sind erhebliche Unterschiede festzustellen:
Generell ist festzustellen, dass in ländlich strukturierten Räumen
höhere Eigentumsquoten anzutreffen sind als in verstädterten
Agglomerationsräumen, Haushalte mit 2 und 3 Kindern bzw. Haushalte
mit einem älteren Haushaltsvorstand eher im Eigentum leben als
Haushalte ohne Kinder bzw. mit einem jüngeren Haushaltsvorstand.

Entwicklung der Wohneigentümerquote (Quelle: Statistisches
Bundesamt, Statistisches Jahrbuch 2005, Wiesbaden, 2005)
Eigentümerquoten sind international nicht ohne weiteres
vergleichbar. Sozioökonomische Merkmale wie z. B. die
Haushaltsgröße, Einkommenssituation und die Situation auf den
Mietmärkten sowie die persönlichen Präferenzen für Eigentum
unterscheiden sich erheblich. Beispielsweise dürfte die relativ
geringe Eigentumsquote Deutschlands im Vergleich zu einigen
europäischen Nachbarn auch auf einen funktionierenden Mietmarkt
zurückzuführen sein. Der letzte Mikrozensus von 2002 wies rd. 38,69
Mio. Wohnungen aus. Davon wurden 15,13 Mio. Wohnungen von
Eigentümern bewohnt und 23,56 Mio. Wohnungen waren vermietet bzw.
wurden zur Vermietung angeboten. Das entspricht einer
Eigentümerquote von knapp 40 %.
Eigentumsstruktur am deutschen Wohnungsmarkt 2002 (Quelle:
Deutsche Bank Research, Wohnungsportfolios in Deutschland, Aktuelle
Themen Nr. 321 vom 03.05.2005)
Die 23,56 Mio. Mietwohnungen werden von privaten Kleinanbietern (59
%) und professionellen Anbietern (41 %) gehalten. Die
professionellen Anbieter von Mietwohnungen setzen sich
folgendermaßen zusammen:
- Kommunale Wohnungsunternehmen: 2.744.000 Wohnungen
- Privatwirtschaftliche Wohnungsunternehmen 2.597.000 Wohnungen
- Genossenschaften 2.288.000 Wohnungen
- Öffentliche Wohnungsunternehmen 390.000 Wohnungen
- Kirchen 137.000 Wohnungen
- Sonstige Anbieter 1.613.000 Wohnungen
Seit etwa dem Jahr 2001 werden große
Wohnungsportfoliotransaktionen auf dem deutschen Markt vollzogen.
Dabei treten als Verkäufer überwiegend inländische professionelle
Anbieter von Mietwohnungen und als Käufer überwiegend ausländische
professionelle Immobilienunternehmen bzw.
Kapitalanlagegesellschaften auf. Die Wirkungen der verstärkten
Transaktionen von Wohnungsbeständen auf die Verkäufer, Käufer und
Nutzer werden unterschiedlich eingeschätzt. |
Träger |
Deutscher Verband für
Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung e.V. |

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Förderer |
Bundesministerium für Verkehr,
Bau und Stadtentwicklung |

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Aareal Bank AG |

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DEGEWO Deutsche Gesellschaft
zur Förderung des Wohnungsbaues, gemeinn. AG |
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Deutsche Annington Immobilien
GmbH |

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Deutsche Bau- und Grundstücks
AG |
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Deutscher Mieterbund e.V. |
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GdW Bundesverband deutscher
Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V. |
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GSW Gemeinn. Siedlungs- und
Wohnungsbaugesellschaft mbH |
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VBW Bauen und Wohnen GmbH |

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Verband deutscher
Pfandbriefbanken
(vdp) e.V. |

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Kooperationspartner |
Bayer. Staatsministerium des
Innern, Oberste Baubehörde |

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Bundesamt für Bauwesen und
Raumordnung (BBR) |

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Deutsche Bank AG |

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Deutsche Wohnen AG |

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Deutscher Städte und
Gemeindebund |

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Deutscher Städtetag und StNRW |

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HEGLI Verwaltungsgesellschaft
mbH |

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In.nova – Gesellschaft für
Unternehmens-entwicklung mbH |

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Ministerium für Verkehr und Bau
des Landes NRW |

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Senatsverwaltung für
Stadtentwicklung |

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Kommissionsvorsitz |
Gernot
Mittler, Staatsminister a. D., Präsident |
Wissenschaftliche Begleitung |
Professor Dr. Johann Eekhoff,
Institut für Wohnungsrecht und Wohnungswirtschaft an der
Universität zu Köln (INWO) |
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Projektlaufzeit |
Mitte 2006 – Ende
2007 |
Publikation |
Abschlußbericht |
1. Vgl. Immobilien werden zum Handelsgut.
Direktinvestitionen in Gebäude steigen auf Rekordniveau –
Branche der Vermittler und Berater steht vor tiefgreifendem
Wandel, in: Handelsblatt vom 13. Oktober 2006, Beilage Expo Real
2006
(zurück zum Text)
2. Vgl. Milliarden für deutsche Wohnungen.
Morgan Stanley: Eine Million Wohnungen auf dem Markt erwartet.
Ausländer haben bisher 20 Milliarden Euro investiert, in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 17. Februar 2006, S. 47. In
diesem Kontext wird in der Bundesrepublik Deutschland auch über
die Einführung von Real Estate Investment Trusts (REITs)
diskutiert. Diese sollen die Attraktivität des Finanzplatzes
Deutschland für internationale Investoren erhöhen und die
öffentlichen Haushalte stärken. Im Koalitionsvertrag der
Bundesregierung heißt es, dass REITs unter der Bedingung
eingeführt werden, dass die verlässliche Besteuerung beim
Anleger sichergestellt wird und positive Wirkungen auf
Immobilienmarkt und Standortbedingungen zu erwarten sind.
(zurück zum Text)
3. Vgl. Koalitionsvertrag von CDU/CSU und
SPD "Gemeinsam für Deutschland – mit Mut und Menschlichkeit" 11.
November 2005, S. 53, Zeilen 2649-2651
(zurück zum Text)
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