Der Beitrag der Sparkassen-Finanzgruppe zur
EU-Gemeinschaftsinitiative URBAN
Martin Lambert
Referent beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband in der
Abteilung Volkswirtschaft
Kein Begriff hat die gesellschafts- und wirtschaftspolitische
Diskussion der 90er Jahre mehr geprägt, als der Begriff der
"Globalisierung". Eindeutig steht fest: Die Globalisierung der
Finanz-, Güter- und teilweise der Arbeitsmärkte ist eine
unausweichliche Realität. Das Phänomen der Globalisierung ist
zweischneidig: Einerseits sind die unmittelbaren
Begleiterscheinungen national kaum steuerbar. Aber, und das wird
allzu oft verkannt, geht die Globalisierung auch einher mit dem
Bedeutungsgewinn des Regionalen. Und das bedeutet andererseits:
Der grundgesetzliche Auftrag zur Wahrung der Einheitlichkeit der
Lebensverhältnisse lässt sich befriedigend nicht durch
zentralstaatlich verfasste Regionalpolitik gestalten. Vielmehr
muss eine Standort- und Wachstumspolitik aus der Region heraus
initiiert und unterstützt werden. Im Gegensatz zur
Globalisierung ist die Regionalisierung also kein Automatismus -
sie muss aktiv und kreativ gestaltet werden. Denn die Menschen
brauchen im Zeitalter von Globalisierung und Europäisierung
Anker und Verankerung in identitätsstiftenden Gemeinschaften,
sie brauchen emotionale Bindung vor Ort. Insofern ist eine
positive Entwicklung in den Regionen unerlässlich. Der
entsprechende Begriff ist auch bereits geprägt: "Glokalisierung"
vereinigt das weltweit geltende wirtschaftliche System mit der
Konzentration auf das örtliche Geschehen, in dem sich der
Einzelne wiederfindet. Hierzu trägt die Sparkassen-Finanzgruppe
nicht zuletzt mit ihrem Engagement im Rahmen der
Gemeinschaftsinitiative URBAN bei.
Globalisierung und Bedeutungsgewinn des Lokalen
Der tiefgreifende Wandel in Wirtschaft und Technologien geht
natürlich auch an Gemeinden, Städten und Kreisen nicht spurlos
vorbei: Neue Bevölkerungs- und Wirtschaftsstrukturen verändern
insbesondere in Ballungszentren ganze Stadtteile, zahlreiche
Standorte werden auf die "Grüne Wiese" verlagert, moderne
Finanz- und Dienstleistungsbranchen werden immer weniger in die
lokale Wirtschaft integriert. Nicht zuletzt die "Weltkonferenz
zur Zukunft der Städte - Urban 21" in Berlin hat die
existenzielle Bedeutung der Städte für die Zukunft der
Menschheit verdeutlicht. UN-Generalsekretär Kofi Annan hat denn
auch dieses Jahrtausend als "Jahrtausend der Städte" ausgerufen.
Jeder zweite Mensch lebt heute in einer Stadt, in gut zwei
Jahrzehnten könnten zwei Drittel der Erdbevölkerung in einer
Stadt wohnen.
In der Europäischen Union lebt etwa 80 Prozent der
Bevölkerung in Städten. Europa ist damit der geografische Raum
mit der höchsten Siedlungsdichte. Es wundert deshalb nicht, dass
sich auf dem Gebiet der Städte einige der größten sozialen
Probleme konzentrieren. Das höchste Gefahrenpotenzial für die
Städte geht von einem sich selbst verstärkenden Negativtrend
aus: Hohe Arbeitslosigkeit und Kriminalität,
Bevölkerungsverluste und insbesondere Wegzug gutverdienender
Haushalte, Verfall der Kaufkraft und Niedergang des
stadtviertelbezogenen Handels und Gewerbes sind dabei die
Elemente, die eine Abwärtsspirale in Gang setzen können. Soziale
Spannungen sowie schlechte Wohn- und Lebensqualität in einzelnen
Stadtbezirken sind die Folgen. Es drohen "Verödung" der
Innenstädte, Umwelt- und Verkehrsprobleme, Anonymisierung und
Arbeitsplatzabbau in den Stadtzentren, hohe Kriminalität und
mangelhafte soziale Infrastruktur. Die Bewältigung der
Bevölkerungs-, Sozial-, Verkehrs-, Umwelt- und
Wirtschaftsprobleme der Städte gehörten damit zu den großen
Herausforderungen der Menschheit. Die prekäre Lage der
kommunalen Haushalte macht dabei die Lösung der Probleme nicht
leichter.
Betroffene Gruppen und die Menschen vor Ort sollten, so die
Anregung des UN-Generalsekretärs, bei der nachhaltigen
Entwicklung der Städte integriert werden. Damit hat Kofi Annan
eines der Leitmotive der Gemeinschaftsinitiative URBAN der
Europäischen Kommission getroffen. URBAN, 1994 ins Leben
gerufen, soll europäische Städte bei der Lösung ihrer
wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Probleme
unterstützen. Gefördert werden in aller Regel städtische
Problemgebiete, die insbesondere auf Grund des Strukturwandels
durch hohe Arbeitslosigkeit sowie durch räumliche und soziale
Ausgrenzung der Bewohner gekennzeichnet sind. Die
URBAN-Fördermittel dienen der Verbesserung der Lebensqualität in
diesen Stadtteilen. Wesentliches Kriterium für die Auswahl
entsprechender URBAN-Gebiete: Bei den geförderten
URBAN-Projekten müssen sowohl Entscheider wie auch Betroffene
vor Ort zusammenwirken. So sehen beispielsweise die
EU-Leitlinien für die Gemeinschaftsinitiative ausdrücklich vor,
eine solide lokale Partnerschaft aufzubauen, die "breit und
wirkungsvoll angelegt sein und die Wirtschafts- bzw.
Sozialpartner, Nicht-Regierungs-Organisationen und
Einwohnerverbände einschließlich der im Bereich Umwelt tätigen
Verbände" beinhalten soll. Den Sparkassen, als geborene Partner
der Kommunen und auf Grund ihres öffentlichen Auftrags der
Entwicklung der Region in besonderer Weise verpflichtet, kommt
demnach im Verbund mit den Landesbanken bei URBAN eine wichtige
Bedeutung zu.
URBAN I erfolgreich: URBAN II folgt
Mit dem Ende der ersten Förderperiode der
Gemeinschaftsinitiative URBAN im Jahre 1999/2000 hatte die
Kommission im Rahmen der Agenda 2000 vorgeschlagen, URBAN
auslaufen zu lassen. Allerdings konnte das Europäische
Parlament, unterstützt vom Ausschuss der Regionen, eine weitere
Förderperiode für die Jahre 2000/2006 durchsetzen und damit eine
wichtige Änderung der Strukturfondsreform erreichen. Dies hing
nicht zuletzt mit den positiven Erfahrungen aus URBAN I
zusammen, die durch eine Zwischenevaluierung durch das Deutsche
Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Kooperation mit dem
Deutschen Institut für Urbanistik (Difu) bestätigt wurden:
-
So habe sich der integrierte
Ansatz mit der Bündelung von Mitteln und Maßnahmen in
Problemgebieten bewährt und sei besonders gut zur Lösung
komplexer Problemsituationen in einzelnen Stadtquartieren
geeignet. EU- sowie nationale Förderprogramme ließen sich
sinnvoll vernetzen.
-
Die Konzentration der Förderung
auf kleinräumliche städtische Einheiten, wie sie Stadtteile
darstellen, sei sinnvoll und erhöhe die Chancen für eine
sichtbare Aufwertung der Quartiere. Die Behebung von Missständen
werde für das Wohnumfeld "erlebbar".
-
Der Anspruch der URBAN-Projekte,
innovativ zu sein und Modellcharakter für andere Städte zu
haben, werde erfüllt. Innovationen und "Best practices" haben
sich beispielsweise auf dem Gebiet der Bürgerbeteiligung, der
Ämterkoordinierung sowie im Hinblick auf den integrierten Ansatz
ergeben.
-
Der Erfahrungsaustausch im Rahmen
des URBAN-Netzwerkes wurde von den Städten als sehr nützlich
eingeschätzt. Mit den heute bestehenden Strukturen und Verfahren
stehe einer reibungsarmen Endabwicklung der Programme nichts
mehr im Wege.
-
Die Erfassung quantitativer
Wirkungen der URBAN-Projekte sei noch kaum möglich. Die
Schaffung von Arbeitsplätzen sei eine wichtige, aber nur eine
Zieldimension von URBAN. Der Hauptteil der URBAN-Maßnahmen ziele
auf die Verbesserung der weichen Standortfaktoren und trage
damit indirekt zur Erhöhung der Beschäftigung bei.
- Das URBAN-Netzwerk, in Deutschland
angebunden an das Deutsche Seminar für Städtebau und
Wirtschaft (DSSW), wurde von den Städten insgesamt als
wichtige und notwendige Hilfe angesehen. Die regelmäßige
Teilnahme aller Städte gilt als Beleg dafür.
Entsprechend den Empfehlungen der Evaluierung wurde nicht nur
an der Fortführung des integrierten URBAN-Ansatzes festgehalten,
auch die Kernelemente von URBAN: Vergabe auf der Basis von
Entwicklungskonzepten, kleinräumige Abgrenzung der
Fördergebiete, hoher Stellenwert der Bürgerbeteiligung und
lokaler Initiativen und multisektorales Spektrum der Maßnahmen
wurden beibehalten.
Vom früheren Bundespräsidenten Roman Herzog stammt die
Maxime: Es ist wichtig, "ein belastetes Umfeld selbst zu
entlasten, zu stabilisieren und wieder lebenswert zu gestalten.
Nur dann wird es gelingen, den Teufelskreis ständiger
Reproduktion des Negativen zu unterbrechen". URBAN trägt zu
dieser Zielsetzung wesentlich bei! In einem integrierten Ansatz
werden in ausgewählten Städten für benachteiligte Stadtteile
Maßnahmen zur wirtschaftlichen Entwicklung, zur Verbesserung der
Infrastrukturen, zur Sanierung von Industriebrachen, zur
sozialen Eingliederung und Förderung der Humanressourcen sowie
zur Verminderung der Umweltbelastungen gefördert. Da die
URBAN-Mittel beschränkt sind und sich im Förderzeitraum
2000/2006 auf 700 Mill. Euro belaufen, legt die Europäische
Kommission Wert darauf, dass zwischen den URBAN-Städten ein
intensiver Erfahrungsaustausch stattfindet. Zudem werden die
gewonnenen Erkenntnisse auch an nicht-geförderte Städte
weitergegeben. Erworbenes Know-how wird so im Sinne des
Best-practice-Gedankens weiter verbreitet. Um diesen Austausch
durchführen zu können, wurde in Deutschland das "URBAN-Netzwerk"
aufgebaut. Organisiert und koordiniert wird das Netzwerk vom
Deutschen Seminar für Städtebau und Wirtschaft (DSSW), Berlin.
Das DSSW gehört zum Deutschen Verband für Wohnungswesen,
Städtebau und Raumordnung (DV).
Seit Anfang der 90er Jahre unterstützt der Deutsche
Sparkassen- und Giroverband das URBAN-Netzwerk Deutschland. Die
Sparkassen-Finanzgruppe ist damit nach dem Bundesministerium für
Wirtschaft und Technologie der wichtigste Finanzier des
Deutschen Seminars für Städtebau und Wirtschaft (DSSW). Dieses
Engagement ist Teil der Verantwortung der
Sparkassen-Finanzgruppe für die Regionen und damit für eine
nachhaltige Stadtentwicklung. Mehr noch: Sparkassen und
Landesbanken können selbst wichtige Erfahrungen aus ihrem
eigenen Engagement zur Stärkung der regionalen
Entwicklungspotenziale einbringen.
Sparkassen und Landesbanken: Regionalpolitisches Engagement
dient URBAN
Die Grundlage der Arbeit vor Ort und ihre regionale
Einbindung bilden die etwa 25.000 Geschäftsstellen der
Sparkassen-Finanzgruppe. Etwa 375.000 Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter stehen kompetent als Ansprechpartner zur Verfügung.
Diese flächendeckende Präsenz der Sparkassen-Finanzgruppe ist
ein wesentliches Element der öffentlichen Daseinsvorsorge, eine
gesetzliche Verpflichtung, der private Großbanken nicht
unterstehen. Dabei ist es eben nicht möglich, sich aus
Rentabilitätsgründen aus der Fläche zurückzuziehen. Zudem ist es
nicht gewollt, sich auf Personen mit Vermögen ab einer
bestimmten Höhe zu konzentrieren - und damit bei Lichte
betrachtet, einen Großteil der Bevölkerung in Deutschland
auszugrenzen. "Aufgabenorientierung geht vor Gewinnmaximierung",
so lautet die Leitlinie der öffentlich-rechtlichen
Kreditinstitute. Hinzu kommt: Der persönliche Kontakt zum Kunden
wird auch im Zeitalter von eBanking oder eCommerce weiterhin
maßgeblich sein. So stellt beispielsweise die Europäische
Zentralbank fest, dass auch in Zeiten von Globalisierung und
Europäisierung die Nähe zum Kunden entscheidend bleibt.
Die gut 560 Sparkassen garantieren mit ihrer flächendeckenden
Präsenz einen intensiven Wettbewerb in allen Regionen. Bereits
heute existiert in Orten unter 1.000 Einwohnern ein
kreditwirtschaftliches Angebot nur noch von
Genossenschaftsbanken und Sparkassen. Deshalb ist klar
festzustellen: Der Rückzug der privaten Bankkonzerne hat für die
Menschen so lange keine negativen Auswirkungen, wie Sparkassen
im Wettbewerb mit den Genossenschaftsbanken die flächendeckende
Versorgung weiterhin garantieren. Gerade für die Städte bedeutet
das dichte Zweigstellennetz eine Aufwertung der Geschäfts- und
Wohnviertel, denn Regionen ohne Kreditinstitute gelten als
ökonomisch "angeschlagen". Damit leisten die Sparkassen einen
unmittelbaren Beitrag zur Stadtentwicklung im Sinne des
URBAN-Gedankens. Darüber hinaus garantiert der intensive
Wettbewerb von privaten Bankkonzernen, Genossenschaftsbanken
sowie der öffentlich-rechtlichen Institute die Stabilität des
Bankenmarktes. Damit ist der intensive Wettbewerb zwischen den
unterschiedlichen Gruppierungen im Kreditgewerbe ein
wesentlicher Bestandteil der Vertrauensbildung in die
Finanzmärkte.
Zu den Kernelementen des öffentlichen Auftrags der
Sparkassen-Finanzgruppe gehört die Sicherstellung des Zugangs
aller Bevölkerungsgruppen zu modernen Finanzdiensten. Nicht
zuletzt Großbritannien mit seinem ausschließlich
privatwirtschaftlich organisierten Bankenmarkt zeigt, was
passiert, wenn sich die Kreditinstitute auf wohlhabende Regionen
und begüterte Personengruppen konzentrieren. Die Konsequenzen:
Die Basisversorgung der breiten Bevölkerung und der
mittelständischen Wirtschaft mit Finanzdienstleistungen ist in
Großbritannien nicht gewährleistet, ganze Gebiete sind
kreditwirtschaftlich "verödet". Zwischen 2,5 und 3,5 Millionen
Erwachsener - also zwischen sechs und neun Prozent der
britischen Bevölkerung - sind ohne Zugang zu einem Giro- und
Sparkonto. Die Folge: Gerade die Ärmsten müssen für die
Durchführung notwendiger Finanztransaktionen höhere Kosten
tragen, Anders in Deutschland: Hier unterhalten etwa 80 Prozent
der Sozialhilfeempfänger eine Kontoverbindung bei einer
Sparkasse. "Financial exclusion" ist hierzulande kein Thema. Vor
allem deshalb nicht, weil insbesondere Sparkassen mit dem
"Girokonto für jedermann" eine flächendeckende Basisversorgung
bereit stellen. Damit wird eine nachträgliche Beseitigung von
Missständen, vielleicht sogar mit URBAN-Finanzmitteln, nicht
erforderlich. Sparkassen und Landesbanken arbeiten insofern
präventiv, ganz im Sinne des URBAN-Gedankens.
Wichtiger Bestandteil der Operationellen Programme als
Konkretisierung der URBAN-Projekte sind Maßnahmen zur Ansiedlung
und Förderung von kleinen und mittleren Unternehmen. Auf diesem
Gebiet verfügen Sparkassen und Landesbanken über einen reichen
Erfahrungsschatz. Der Arbeit der Sparkassen-Finanzgruppe kommt
durch ihr Engagement bei der Unterstützung des Mittelstandes
große Bedeutung bei der Stärkung der "Kultur der
Selbständigkeit" zu.
-
Im Bereich der
Unternehmenskredite halten die Institute unserer Gruppe einen
Anteil von knapp 40 Prozent, bei Unternehmen mit einem Umsatz
bis zu einer Million DM liegt unser Anteil bundesweit bei rund
50 Prozent und bei Handwerksbetrieben bei über 60 Prozent.
-
Durch die gut 70
Kapitalbeteiligungsgesellschaften der Sparkassen-Finanzgruppe,
der Beteiligung an der Mehrzahl der Technologiezentren, durch
ihr Engagement beim "Going Public" sowie anderen Aktivitäten wie
dem "Start-Up"- Wettbewerb fördern wir Existenzgründungen.
-
In den nächsten Jahren werden
viele Mittelständler aus ihrem Unternehmen ausscheiden:
Sparkassen sind beim Generationswechsel engagiert - sei es in
den vielen Beratungsgesprächen vor Ort oder bei der
Nachfolgebörse Change/Chance, dem Internet-Marktplatz für die
Suche nach Unternehmensnachfolgern.
- Genossenschaftsbanken und vor allem
Sparkassen und Landesbanken vermitteln überwiegend die
staatlichen FördermitFon Bei der Weiterleitung der Mittel der
Kreditanstalt für Wiederaufbau für den Mittelstand
beispielsweise liegt der Anteil der Sparkassen-Finanzgruppe
bei 44 Prozent, beim Zusagevolumen bis zu 100.000 DM erreichen
wir 50 Prozent.
Auch in Zukunft wird der Bankkredit für die kleinen und
mittleren Unternehmen bei der Unternehmensfinanzierung die
beherrschende Rolle spielen. Denn einerseits werden noch immer
rund drei Viertel des gesamtwirtschaftlichen
Finanzierungsbedarfs über Kredite abgewickelt. Und andererseits
sind für die überwiegend kleinen und mittleren
Personengesellschaften und Einzelunternehmen "die Möglichkeiten
für eine direkte Kapitalmarktfinanzierung schon aus
Kostengründen begrenzt", so die Deutsche Bundesbank. Damit
bleiben die öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute für die
Finanzierung des Mittelstandes unverzichtbar.
Großbanken mit dem Ziel einer größeren
Eigenkapitalrentabilität ziehen sich aus dem
Mittelstandsgeschäft zurück. Deshalb müssen Kreditinstitute, die
sich um die Finanzierung kleiner und mittelständischer
Unternehmen besonders kümmern, gestärkt werden. Hier sind
bereits einige Verbesserungen der Rahmenbedingungen für die
Kreditfinanzierung des Mittelstandes in Arbeit. Eine
Differenzierung der Margen bei der Weiterleitung von
Förderkrediten - höhere Margen bei kleineren Krediten -, der
Abbau von Bürokratie im Fördergeschäft, höhere
Haftungsfreistellungen für die durchleitenden Banken, die
Stärkung der Bürgschaftsbanken sowie die Etablierung neuer
Instrumente für die Finanzierung wie den Forderungshandel sind
nach Ansicht der Bundesregierung sinnvolle Wege, um dem
Mittelstand auch künftig den Zugang zu Fremdkapital zu erhalten.
Zudem wird bei der Europäischen Kommission eine Neugestaltung
der Förderpolitik diskutiert - weg von der Förderung des
Sachkapitals, hin zur Unterstützung von Investitionen in
Humankapital. Dies stärkt wiederum die Bedeutung regional
engagierter Kreditinstitute verstärkt, die die notwendigen
lokalen Kenntnisse besitzen.
Sparkassen und Landesbanken als Partner von Städten und Kreisen
sind "Bausteine einer ausgewogenen Regionalstruktur" - so das
Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung in
einer Studie (Schrumpf/Müller: Regionale Kreditinstitute und
Wirtschaftsentwicklung, Stuttgart 1998). Sie wirken damit
einer wirtschaftlichen und sozialen Abwärtsspirale entgegen.
Hierzu einige Hinweise.
-
Die modernen Arbeits- und
Ausbildungsplätze in den Instituten der Sparkassen-Finanzgruppe
sind besonders für strukturschwache Regionen wichtig. In vielen
Gemeinden sind Sparkassen zudem die wichtigsten Steuerzahler.
-
Sparkassen und Landesbanken
unterstützen Kommunen und Länder mit innovativen Lösungen bei
der Finanzierung kommunaler Investitionen, bei der Optimierung
der Schuldenlast, mit Public-Private-Partnership-Konzepten und
Kommunal-Leasing. Aktives Standortmarketing, die Beteiligung an
Wirtschaftsförderungsgesellschaften sowie regionale Stärken- und
Schwächenanalysen sind wichtige Hilfen für Verbesserung und
Stärkung der Attraktivität der Regionen.
- Schließlich stärkt die
Sparkassen-Finanzgruppe die weichen Standortfaktoren. Gut 450
Sparkassen-Stiftungen, das finanzielle Engagement im
sportlichen, kulturellen, wissenschaftlichen und sozialen
Bereich entlasten die Kommunalhaushalte unmittelbar und
nachhaltig.
URBAN fordert und fördert die Zusammenarbeit der lokalen
Akteure. Diese Zusammenarbeit bietet mithin die Gewähr für die
Nachhaltigkeit der ergriffenen Maßnahmen. Denn auch nach dem
Ende der EU-Förderung sowie der begleitenden nationalen
Förderung muss die Entwicklung der betroffenen Stadtteile
aufwärts gerichtet sein. Gerade die öffentlich-rechtlichen
Institute bieten sich hier zu Recht an, da sie in allen Regionen
präsent sind und damit über entsprechende lokale Kenntnisse
sowie die notwendige Finanzinfrastruktur verfügen. Durch die
begleitende Finanzierung und Förderung lässt sich gleichfalls
eine der Zielsetzungen des URBAN-Netzwerkes erfüllen, nämlich
das Anschieben von Initiativen in den Regionen, die auch nach
Ende der Förderung marktfähig sind. Diese Marktfähigkeit ist
auch deshalb notwendig, weil sich bei den Förderprogrammen der
Europäischen Union ein Abgehen von verlorenen Zuschüssen hin zu
neuen Förderinstrumenten, wie beispielsweise der
Zinssubventionierung, abzeichnet.
Fazit
Die Intentionen des Förderprogramms URBAN sowie die
Zielsetzungen der öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute sind im
Bereich der Regionalpolitik und -wirtschaft nahezu identisch: Es
gilt, die endogenen Kräfte in Kommunen und Regionen zu stärken.
Die Sparkassen-Finanzgruppe sieht sich in der Verantwortung für
die Regionen allein schon aus betriebswirtschaftlich begründetem
Eigeninteresse. Ihr Geschäftsgebiet ist nämlich auf das Gebiet
des Gewährträgers beschränkt. Deshalb gilt: Geht es der Region
gut, geht es auch der Sparkasse vor Ort gut. Zudem begründen die
besonderen Merkmale der Sparkassen - ihr öffentlicher Auftrag,
ihre Gemeinwohlorientierung, die kommunale Bindung, eine
dezentrale Unternehmensausrichtung, das arbeitsteilige
Zusammenwirken im Verbund und das Regionalprinzip - eine enge
Bindung der Institute mit ihrer Region. Die öffentliche
Rechtsform der Sparkassen korrespondiert mit ihrer Verpflichtung
zur effizienten Wahrnehmung ihres Infrastrukturauftrags, nämlich
der breiten Versorgung der Bevölkerung und insbesondere der
mittelständischen Wirtschaft mit Geld- und
Finanzdienstleistungen. Damit verhindert die Arbeit von
Sparkassen und Landesbanken einerseits, dass ein Abwärtstrend
mancher Stadtteile entstehen oder an Dynamik gewinnen kann. Hier
wirkt die Sparkassen-Finanzgruppe präventiv. Andererseits
stärken die öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute mit ihrem
regionalpolitischen Engagement das Entwicklungspotenzial von
Gemeinden, Städten und Kreisen. Insgesamt wirkt die
Sparkassen-Finanzgruppe somit im besten Sinne des URBAN-Gedankens.
Veröffentlicht in: Zeitschrift
Kommunalwirtschaft
Sonderausgabe "Sparkassen im kommunalen Raum"
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