Überlegungen für künftige Schwerpunkte der Arbeit des Deutschen
Verbandes für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung e.V.
von Professor Dr. Paul Klemmer (†), Präsident des Deutschen Verbands
für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung e.V. (DV), Berlin/Brüssel
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Prof. Dr. Klemmer, Präsident des DV |
Geht man von einer weiten Definition des Wohnungswesens, des Städtebaus
und der Raumordnung aus, bezieht sich die Arbeit des DV auch auf die
Immobilienwirtschaft als Ganzes, d.h. auf jenen Wirtschaftsbereich, der
sich mit der Betreuung des Immobilienbestandes und seiner Veränderung im
Zeitablauf befasst. Insofern ist es durchaus berechtigt, die
Verbandsarbeit einmal aus der Sicht der Immobilienwirtschaft zu
beleuchten.
Die Bedeutung dieses komplexen Bereichs für die volkswirtschaftliche Vermögensrechnung bzw. die Entwicklung des Sozialprodukts wird nämlich
immer wieder unterschätzt, rückt aber gerade in einer Phase der
Wachstumsschwäche der deutschen Wirtschaft wieder stärker in den
Vordergrund. So machen Immobilien etwa zwei Drittel des deutschen
Sachvermögens aus. Insbesondere prägen sie die Vermögensposition der
privaten Haushalte . Noch immer besitzen z.B. mehr Menschen Eigenheime
als Aktien. Erwartungen über den künftigen Wert der Wohnimmobilien
tangieren darum nicht nur die Art der privaten Altersvorsorge, sie
beeinflussen auch das Geschehen in der Bauwirtschaft bzw. wichtige
Konsumentscheidungen (Vermögensabhängigkeit des Konsums) und damit die
gesamtwirtschaftliche Nachfrage. Größere Wertänderungen bei den
Immobilienbeständen wirken auf die Bilanzen von Banken bzw.
Versicherungen zurück, bei den ersteren bestimmen sie den
Kreditspielraum mit. Das Platzen einer Immobilienblase kann eine Banken-
und Wirtschaftskrise auslösen, die eine ganze Volkswirtschaft in
Mitleidenschaft zieht. Es ist darum wichtig, sich mit dem
Immobilienbestand, dessen Vermögenswert in Deutschland auf ca. 7,1 Bill.
Euro geschätzt wird, zu beschäftigen. Er setzt sich aus Grundstücken,
Wohnungsbauten, Gewerbebauten (etwa Handels- oder Büroimmobilien),
öffentlichen Bauten und Infrastrukturbauten sowie Industriebauten
zusammen. Der Bruttoproduktionswert der Nutzung, Betreuung und
Veränderung dieses Bestandes wurde für 2002 auf rd. 300 Mrd. Euro
geschätzt. Unter Berücksichtigung aller sektoralen Verflechtungen macht
der Immobilienkomplex in den westlichen Volkswirtschaften über 20
Prozent des Bruttoinlandprodukts aus und gibt in Deutschland zumindest
zwischen 2 und 3 Mio. Menschen Brot und Arbeit.
Auf diese Immobilienwirtschaft und damit auch auf das Wohnungswesen, den
Städtebau und die Raumordnung kommen wichtige Änderungen zu, die
möglicherweise einen Paradigmenwechsel auslösen werden. Die Analyse
dieser neuen Rahmendingungen und ihrer Implikationen sowie die
Diskussion der "politischen Antworten" auf die sich neu etablierenden
Herausforderungen müssen im Mittelpunkt der künftigen Arbeit des DV
stehen.
Download:
"Immobilienwirtschaft im Wandel - neue Rahmenbedingungen für das Wohnungswesen,
den Städtebau und die Raumordnung!", Überlegungen für künftige Schwerpunkte der Arbeit des Deutschen Verbandes
von Prof. Dr. Paul Klemmer, Präsident des Deutschen Verbandes (pdf-Dokument
Langfassung 669 KB,
Kurzfassung 100 KB).
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