Baukultur - Strategien städtischer Entwicklung
Im globalen Strukturwandel verändern sich die Handlungsspielräume lokaler
Politik. In dem Maße, in dem die klassischen, "harten" Standortfaktoren
an Bedeutung verlieren, sind die Städte genötigt, neue Profile für die Investorenwerbung
zu entwerfen. Gefragt ist die spezifische Qualität vor Ort und der Region
von Unternehmern, Investoren, Zuwanderern und auch von Touristen. Neue -
vor allem mediale - Aufmerksamkeit muss generiert werden. "Weiche" Standortfaktoren
erhalten einen neuen Stellenwert.
Gelebtes kulturelles Erbe - auch als Wirtschaftsfaktor - wird zu einem integralen
Bestandteil städtischer Erneuerungsstrategien, um das urbane Image zu stärken.
Das Image der Stadt und/ oder Region ist eines der Elemente, welches die
Entwicklung wesentlich unterstützen soll. Die Prägekraft der Tradition als
Herausforderung für die Baukultur stützt sich nicht allein auf die gestalterische
- historische wie heutige - architektonische Form. Das "Geschäft" des Tourismus
zieht vielmehr Landschaft, Menschen und Kultur in einem verkaufsfähigen
Produkt zusammen. Insoweit ist Baukultur ein wichtiges Segment der Kulturwirtschaft.
Baukultur in diesem Kontext ist ein bedeutender Baustein dieser Städteprofile.
Das gilt fraglos für intakte überkommene Bauwerke von Rang und selbstverständlich
auch für entsprechende städtische Ensemble und regionale Baukunst. Hier
ist z.B. an die Straße der Romanik in Sachsen-Anhalt oder die Europäische
Route der Backsteingotik im Ostseeraum zu denken. Viele Bauwerke sind zum
Symbol geworden für eine Stadt, ein Land, eine Kultur. Die Tourismuswerbung
nutzt die Symbolkraft und wirbt, neben Freizeit und Natur, besonders mit
Denkmälern und ihrer kulturprägenden Wirkung. Erhaltene historische Städte
mit ihrem Kulturangebot sind damit zu Zielen eines wachsenden Kulturtourismus
geworden.
Für die Städte und Gemeinden bietet sich in der Vermarktung ihrer einzigartigen
Altbausubstanz eine Chance, die Entwicklung des Fremdenverkehrs und des
Tourismus voranzutreiben. In anderen Regionen sind touristische Verbundkonzepte
dieser Art schon seit langem fester Bestandteil des Stadtmarketing.
Kluge und ästhetisch anspruchsvolle Baukultur unserer Zeit mit dem Vergangenen
zu kombinieren, verstärkt die Aufmerksamkeit. Dabei wird die Verknüpfung
von historischer Bausubstanz und innovativer neuer Architektur für die Architektenschaft
immer mehr zu einer reizvollen Aufgabe.
Koordination und Kooperation von Kommunen, Räumen und Regionen können zu
zukunftsorientierten Konzepten, Lösungsansätzen und Synergieeffekten für
alle Beteiligten führen. Der Kommunikationsprozess der Städte und Gemeinden,
insbesondere der kleinen und mittleren, zur gemeinsamen Vermarktung ihrer
baukulturellen Qualitäten wird zunehmen müssen.
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