Demographie und Immobilienwirtschaft
Fortsetzung
3. Zusammenfassung
Fasst man zusammen, so verbinden sich mit den demographischen Trends
einer langfristig wahrscheinlich nicht mehr aufzuhaltenden
Bevölkerungsschrumpfung, einer schon begonnenen Alterung sowie einer
wachsenden Heterogenisierung der Gesellschaft für die
Immobilienwirtschaft sicherlich Risiken, die aber - vor allem in
mittelfristiger und gesamtwirtschaftlicher Perspektive - nicht
überschätzt werden sollten. Vieles spricht dafür, dass die gegenwärtig
zu beobachtende Wachstumsschwäche Deutschlands und Europas mit
gravierenderen Implikationen für das immobilienwirtschaftliche Geschehen
verknüpft ist. Diese Wachstumsschwäche ist aber primär die Folge noch zu
bewältigender Konsolidierungsprozesse im Bereich der Wirtschaft, von
Rigiditäten im Arbeitsmarkt (etwa problematische Ausgestaltung des
Kündigungsschutzes, unzureichende Berücksichtigung der
Produktivitätsunterschiede bei der Entwicklung der Lohnstruktur,
lähmende Wirkung der hohen Lohnnebenkosten), einer Verunsicherung der
Wirtschaftsakteure durch vage und teilweise widersprüchliche
Reformvorhaben sowie eine wettbewerbsverzerrende
Unternehmensbesteuerung. Dabei spielen sicherlich auch offene Fragen bei
der künftigen Altersversorgung eine Rolle, zumindest können sie Teile
der Konsumzurückhaltung erklären. Aber noch dominieren Ursachen von
außerhalb der Demographie.
Anders sieht es auf der regionalen Ebene aus. Dort finden sich bereits
Gebiete, in denen sich Prozesse abspielen, die Deutschland in etwa 25
bis 30 Jahren prägen werden. Dort wurde das schrumpfende
Erwerbspersonenangebot bereits zu einem wirtschaftlichen Engpassfaktor.
Arbeitsmarktbedingte Abwanderungsvorgänge bewirken dort eine
altersstrukturelle Erosion, die das Risiko einer baldigen
Bevölkerungsimplosion heraufbeschwört. Hier wird sich zeigen müssen, wie
eine Qualifikations- und Innovationspoliitk räumlich wirken und diese
Prozesse zu stoppen vermag. Es handelt sich quasi um Pilotregionen, in
denen neue Politikmuster durchexerziert werden können.
Umgekehrt gibt es Gebiete, in denen bei hohen Durchschnittseinkommen,
zuwanderungsbedingter "Verjüngung" der Wohnbevölkerung und
überdurchschnittlichem Kaufkraftzuwachs immer noch gute wirtschaftliche
Perspektiven, und zwar auch für die Immobilienwirtschaft, bestehen. Das
betrifft vor allem die Wohnimmobilien, die dort partiell Renditen von 4
bis 6 Prozent abwerfen können. An der Spitze dieser Gebiete steht in der
Regel die Stadt München gefolgt von Hamburg und mit einer gewissen
Reserve die Region Berlin. Weiter wird sichtbar, dass sich die
westdeutschen Gravitationszentren Hamburg, Bremen, Hannover, Düsseldorf,
Köln/Bonn, Frankfurt/Wiesbaden, Stuttgart, München und Nürnberg samt
ihrem weit zu definierenden Umland als immobilienwirtschaftlich
attraktiv erweisen . Hinzu treten noch Städte wie Karlsruhe oder Ulm
bzw. mittelständisch geprägte Industrieregionen wie Steinfurt,
Reutlingen, Schwarzwald-Baar-Kreis oder Ravensburg bzw. Wohlfühlgebiete
wie Baden-Baden oder der Bodenseekreis. Diese regionale Differenzierung
schafft in Verbindung mit der qualitativen Ausdifferenzierung der
künftigen Wohnungsnachfrage interessante Anlageperspektiven im
Wohnungsbau, die auch unter dem Aspekt der Altersvorsorge interessant
sind.
Von Bedeutung ist schließlich die Globalisierung der Kapitalmärkte. Sie
eröffnet die Chance, dass Deutschland den Kapitalhunger aufstrebender
Wirtschaftsnationen stillt und sich an deren Erfolg beteiligt. Die
Beteiligung an global agierenden Fonds wird damit neben dem
selbstgenutzten Wohneigentum zu einer wichtigen Form der Altersvorsorge
bzw. der Milderung der demographischen Risiken.
Der Artikel "Demographie und Immobilienwirtschaft" von Professor Dr.
Paul Klemmer ist erschienen in:
Ummen/Johns (Hrsg.): Immobilien - Praxis und Recht. Jahrbuch 2005.
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