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Wo wohnen Deutschlands Spitzenverdiener und Kaufkraftträger?

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Eine regionale Analyse der Primär- und Sekundäreinkommensverteilung sowie der Entwicklung der Kaufkraft in Deutschland

von Prof. Dr. Paul Klemmer (†), Präsident des Deutschen Verbandes

Seit kurzem ist es möglich, die Primär- und Sekundärverteilung des deutschen Volkseinkommens des Jahres 2002 auf der Ebene der 439 kreisfreien Städte und Kreise Deutschlands abzubilden und ihre Entwicklung seit 1995 zu verfolgen. Die Primärverteilung zeigt hierbei jene Einkommensverteilung, wie sie sich im Gefolge des wirtschaftlichen Wertschöpfungsprozesses einstellt. Sie berücksichtigt neben den Einkommen aus abhängiger Erwerbstätigkeit auch die Selbständigeneinkommen sowie die Vermögenseinkommen; diese stellen immerhin knapp 30 Prozent des Volkseinkommens dar. Durch Steuer- und Abgabenerhebung sowie Transferzahlungen an die privaten Haushalte greift der Staat in diese Primärverteilung ein. Die so entstehende Sekundärverteilung informiert über die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte und damit über die Kaufkraftentwicklung.

Damit lassen sich u. a. folgende Fragen beantworten:

  1. Wo wohnen Deutschlands Spitzenverdiener?
  2. Wie beeinflussen die staatlichen Maßnahmen der Steuer- und Abgabenerhebung sowie der geleisteten Transferzahlungen die regionale Spreizung der Primäreinkommen der privaten Haushalte?
  3. Wo befinden sich – gemessen am Kaufkraftbestand, der Entwicklung dieser Kaufkraft und der Höhe der verfügbaren Einkommen je Einwohner – die für die Immobilienwirtschaft, den Handel und die haushaltsnahen Dienstleistungen attraktiven Gebiete Deutschlands?
 

Attraktivitätsindex 2002
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Überdurchschnittliche Verdienste werden im Rahmen der primären Einkommensverteilung vor allem in den Umlandkreisen der großen Gravitationszentren einschließlich Berlin erzielt, wobei die Region München bzw. der Landkreis Starnberg an der Spitze stehen. Vor allem der Landkreis Starnberg entpuppte sich als eine Art "Insel der Wohlhabenden", dem es im Zeitablauf gelang, viele Spitzenverdiener an sich zu ziehen. Das Primäreinkommen je Einwohner betrug dort 2002 rd. 35.300 Euro. Nimmt man die Entwicklung der Durchschnittsverdienste, rücken die Umlandkreise noch stärker in den Vordergrund. Dies gilt vor allem für den "Speckgürtel" von Berlin, was vor allem das Land Brandenburg begünstigte, aber dort zu beachtlichen landesinternen Disparitäten führte. Hinzu treten einzeln Groß- und Mittelstädte in Westdeutschland mit gehobenem industriellem Mittelstand sowie landschaftlich attraktive Gebiete wie Baden-Baden oder der Bodenseeraum. Benachteiligt sind zumeist peripher-ländliche Gebiete, wobei in Ostdeutschland eine Entleerungszone im Abstand von 60 bis 120 km rund um Berlin auffällt. Der Landkreis Oberspreewald-Lausitz erreichte mit rd. 10.500 Euro nur knapp 30 Prozent des Wertes des Landkreises Starnberg.

Es wurde deutlich, dass bei den Primäreinkommen der privaten Haushalte je Einwohner ein regionales Einkommensgefälle der Durchschnittsverdienste besteht, das sich im Zeitablauf von 1995 bis 2002 wenig veränderte. Noch immer liegen die Durchschnittsverdienste, wie sie sich aus dem volkswirtschaftlichen Wertschöpfungsprozess ergeben, in Ostdeutschland (inkl. Berlin) rd. 30 Prozent unter dem Westniveau. Dahinter stehen ein Produktivitätsgefälle sowie ein Rückstand in der Vermögensausstattung der privaten Haushalte. Greift man auf die Verfügbaren Einkommen je Einwohner und damit auf die Pro-Kopf-Ausstattung mit Kaufkraft zurück, schmilzt der Rückstand von Ost- zu Westdeutschland auf weniger als 20 Prozent und ist ein gewisser Aufholprozess Ostdeutschlands zu erkennen. Dies zeigt, dass es so etwas wie eine räumliche Umverteilungspolitik gibt, die Ostdeutschland begünstigte.

Es wurde aber auch sichtbar, dass Aussagen über die Situation und die Entwicklung der Einkommensverteilung auf der hoch aggregierten Ebene Ost- und Westdeutschland problematisch sind, da sie durch beachtliche Nivellierungseffekte geprägt werden und insbesondere regionale Sonderentwicklungen verdecken. Schon auf der Ebene der Bundesländer und Stadtstaaten kommen bereits wichtige Unterschiede zum Vorschein, wobei die Ergebnisse für die Stadtstaaten wegen der Differenzierungseffekte mit Vorsicht zu interpretieren sind. Unter den Flächenstaaten steht bei den Durchschnittsverdiensten, wie sie sich aus dem volkswirtschaftlichen Wertschöpfungsprozess ergeben, Baden-Württemberg an der Spitze gefolgt von Bayern. Die ostdeutschen Flächenstaaten einschließlich Berlin nehmen die letzten Tabellenplätze ein, wobei Sachsen-Anhalt die schlechteste Position besitzt. Bei den Durchschnittsverdiensten liegt es fast 32 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt, Baden-Württemberg überschreitet denselben um fast 15 Prozent. Bezieht man sich auf das verfügbare Einkommen je Einwohner, werden die Abstände zum Bundesdurchschnitt abgebaut. Dies bestätigt wiederum den Ausgleichseffekt der Umverteilungspolitik. Die Ausgleichseffekte sind aber unterschiedlich. Begünstigt werden vor allem der Stadtstaat Bremen oder Nordrhein-Westfalen, benachteiligt wird Mecklenburg-Vorpommern, das bei diesem Indikator in 2002 auf den letzten Tabellenplatz abfällt.

Die Analysen zeigen, dass die über die Besteuerung, Abgabenerhebung und Transferleistungen an die privaten Haushalte praktizierte Umverteilungspolitik die teilweise extrem hohen Unterschiede zwischen den 439 Beobachtungseinheiten abschmelzen lässt, ohne dass sich aber – abgesehen von Einzelfällen – am grundlegenden Disparitäten- oder Entwicklungsmuster etwas ändert.

Im Rahmen der Studie wird der Versuch unternommen, die vielen Einzelinformationen zu verdichten, um auf diese Weise zu einer besseren Einstufung der 439 Kreise und kreisfreien Städte zu gelangen. Dabei wird von der Fragestellung ausgegangen, welche Tatbestände für potentielle Investoren interessant sein könnten. Diese sind

  1. der Größenfaktor,
  2. die durchschnittliche Pro-Kopf-Ausstattung mit Kaufkraft sowie
  3. die Entwicklung der regionalen Kaufkraft.

Was den Größenfaktor betrifft, so interessieren sich Investoren stets für den Kaufkraftbestand und damit indirekt auch für die bereits vorhandene Bevölkerung. So wiesen Berlin, Hamburg oder München in 2002 einen Kaufkraftbestand von 49,5, 32,4 oder 26,2 Mrd. Euro auf, jener des Kreises Starnberg belief sich nur auf 3,40 Mrd. Euro, jener der Stadt Hoyerswerda lediglich auf 0,69 Mrd. Euro und jener von Frankfurt an der Oder auf 0,89 Mrd. Euro. Berlin bleibt darum trotz vieler sichtbar gewordener Schwächen weiterhin für Investoren interessant.

Eine hohe Pro-Kopf-Ausstattung mit Kaufkraft ist Beleg für eine überdurchschnittliche Zahlungsbereitschaft, eine interessante Nachfrage nach Gütern des gehobenen Bedarfs bzw. nach über die Grundversorgung hinausgehenden haushaltsnahen Dienstleistungen sowie eine größere Akzeptanz von Preiserhöhungen (etwa im Immobilienbereich). Eine überdurchschnittliche Entwicklung des regionalen Kaufkraftvolumens deutet schließlich auf eine positive Marktentwicklung hin, die letztlich auch vom volkswirtschaftlichen Wertschöpfungsprozess getragen wird.

Fasst man diese 3 Indikatoren mit einem im Gutachten geschilderten Gewichtungs- und Aggregationsverfahren zusammen, so entsteht ein Indikator zur Messung der Kaufkraftattraktivität. Gemäß diesem Indikator steht die Stadt München gefolgt von Hamburg und Berlin an der Spitze der Attraktivitätstabelle. Es wird sichtbar, dass sich die westdeutschen Gravitationszentren Hamburg, Bremen, Hannover, Düsseldorf, Köln/Bonn, Frankfurt/ Wiesbaden, Stuttgart, München und Nürnberg sowie Berlin samt ihrem weit zu definierenden Umland für potentielle Investoren als interessant erweisen. Hinzu treten noch Städte wie Karlsruhe oder Ulm bzw. mittelständisch geprägte Industrieregionen wie Steinfurt, Reutlingen, Remscheid, Schwarzwald-Baar-Kreis, Ravensburg oder Siegen-Wittgenstein bzw. Wohlfühlgebiete wie Baden-Baden oder der Bodenseekreis.

Bei den Gebietseinheiten mit unterdurchschnittlich schlechter Kaufkraftattraktivität dominieren zwar die ostdeutschen Beobachtungseinheiten, mit den Städten Schweinfurt, Hof, Ludwigshafen, Neumünster, Offenbach, Passau, Emden, Lübeck, Kaiserslautern, Gelsenkirchen, Herne oder Trier kommen aber auch westdeutsche Einheiten ins Spiel. Die schlechtesten Positionen werden aber eindeutig von ostdeutschen Kreisen und Städten eingenommen. Es beginnt bei der Stadt Görlitz, geht über die Städte Potsdam, Hoyerswerda, Brandenburg an der Havel, Cottbus bis zum Schlusslicht Frankfurt an der Oder. Wie bei vielen Einzelindikatoren tauchen die Kreise Oberspreewald-Lausitz, Prignitz, Bitterfeld, Elbe-Elster und Uckermark auf den letzten Tabellenplätzen auf.
 

Die vollständige Studie kann beim Deutschen Verband für Nichtmitglieder für 30 EUR + 5 EUR Bearbeitungsgebühren und für Mitglieder für 20 EUR + 5 EUR Bearbeitungsgebühren bestellt werden.

Download:

Die Daten, als Grundlage dieser Studie, wurden vom Statistischen Bundesamt erhoben. (www.destatis.de)

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